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Heimat und zu Hause - Zwischenbericht

Autor: LisaMarieAppel | Datum: 06 März 2017, 16:00 | 0 Kommentare

Kinder, wie schnell die Zeit vergeht. Ein Spruch, den ich eher älteren Damen zuschreiben würde, aber dieses Jahr merke ich, dass er stimmt und muss mich eben diesem auch bedienen.

5 Monate und 17 Tage noch, dann steige ich schon wieder in den Flieger nach Deutschland, ganz schön verrückt.

In den vergangenen 191 Tagen ist sehr viel passiert. Ich muss sagen, dass mein Halbjahr hier nicht immer einfach war. Am besten kann man das an der Entwicklung meines zu Hause Begriffs festmachen.

Als ich aufgebrochen bin, hatte ich bereits die Unterscheidung zwischen 'zu Hause' und 'Heimat'. Heimat, da wo ich aufgewachsen bin und ich meine Wurzeln habe und zu Hause, meine wundervolle WG in der Stadt, an die ich mein Herz verloren habe. Und dazu kamen noch eine Menge anderer Wohnungen und Orte hinzu, an denen ich mich heimisch gefühlt habe. Bei guten Freunden, Verwandten oder an Orten, an denen ich täglich vorbei gelaufen bin oder schöne Erlebnisse haben durfte.

Als ich in den Flieger stieg, war ich überhaupt nicht von der Euphorie erfüllt, die man laut perfekter Freiwilligenjahrkurve haben sollte. Im Gegenteil. Ich war eher skeptisch, ob dass denn mit Tansania so die richtige Entscheidung gewesen ist und auf was ich mich da jetzt eigentlich eingelassen hatte.

 

Und dann kam ich an. In einem tollen Haus mit einer lieben Gastfamilie und ich wusste von Anfang an, dass ich mich hier wohlfühlen kann, aber dies eben Zeit braucht. Und die hat es lange gebraucht.

Ich habe mich die ersten Monate hier sehr unwohl gefühlt. Meine Arbeit hat mir alle Nerven gekostet und ich saß nicht selten mit Tränen in den Augen hinten im Klassenraum, weil wieder ein Kind verprügelt wurde und ich hilflos zum zuschauen verdammt war.

Ich hatte nicht das Gefühl hier rein zu passen und das „Mzungu“ („Weiße“/“Europäerin“), welches einem hier überall hinterher geschrien wird, ließen mich täglich spüren, dass ich anders bin und hier nicht hingehöre.

Ich habe mich an so vielen Ecken nicht wohl gefühlt, aber der Gedanke nach Deutschland zurück zu gehen, kam mir nie. Denn auch dort gehörte ich jetzt gerade nicht hin. Ich hatte mich von Deutschland für ein Jahr verabschiedet und wenn ich wieder komme, dann wird meine WG sich fast gänzlich aufgelöst haben und ich werde mein zu Hause von vorne aufbauen müssen.

War ich doch mit der Hoffnung aufgebrochen ein weiteres zu Hause in einem anderen Teil der Welt zu finden, fühlte ich mich nun gänzlich heimatlos.

 

Dann waren Weihnachtsferien und ich habe einen Teil davon bei Linda (VEM Freiwillige in Bukoba) verbringen dürfen, habe erleben dürfen, wie sie in ihrem Projekt aufblüht und hatte eine schöne Zeit mit ihr und Hannah N. (ebenfalls VEM Freiwillige).

Und ich weiß nicht was, aber in dieser Zeit ist irgendwas passiert. In den letzten Tagen, bevor ich wieder nach Kayanga aufgebrochen bin, habe ich Vorfreude empfunden. Ich habe mich auf das kleine Dorf und seine ganzen für mich komischen und anstrengenden Eigenheiten gefreut. Ich bin dorthin gefahren und hatte das Gefühl nach Hause zu kommen.

Jetzt war das Zwischenseminar und ich war wieder unterwegs und diesmal war die Vorfreude noch größer.

Das heißt nicht, dass jetzt hier alles super ist. Ich fühle mich noch immer sehr häufig unwohl und merke noch immer an vielen Stellen, dass ich hier nicht her passe, aber ich habe gelernt, zu Begründen, warum ich mich in solchen Situationen so fühle und ich habe gelernt das in Ordnung zu finden. Schließlich bin ich in einem völlig anderem Kulturkreis aufgewachsen, da wäre es ja ganz schön komisch, wenn das spurlos an mir vorbei gegangen wäre. Ich muss nicht alles gut finden oder den Spaß meines Lebens an verschiedenen Festen haben, aber ich darf zu Gast sein und mir das angucken und wenn ich möchte, ein Teil davon sein. Und das habe ich nun als große Chance entdeckt und das macht mir mein Leben hier doch wesentlich leichter.

 

Und egal wie häufig ich Kayanga und seine Regeln und die Bewohner darin nun nervig und anstrengend finde und wie sehr ich mich hier über Sachen aufregen könnte, ich merke, dass dieses kleine Dorf, ohne, dass ich weiß wann und wie, sich einen Platz in meinem Herzen gesichert hat und ein kleines Stück zu Hause geworden ist.

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